Steinpilz, Gallenröhrling und Co. KG


 

Bericht:

Maronenröhrlinge, Rotfußröhrlinge, eine Rotkappe und ein paar Steinpilze liegen im Korb. Mischpilze mit Semmelknödel wird’s geben. Doch beim Abschmecken der Mahlzeit kommt die Ernüchterung: alles schmeckt ekelhaft bitter und ist ungenießbar. Manch einer wird sich nun denken, das kenn ich doch, denn oftmals wird ein kleiner Gallenröhrling mit dem Steinpilz aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit verwechselt und wandert in den Korb und Kochtopf . Und später hört man sagen: “Da war ein Steinpilz dabei, der sah ein ganz klein wenig anders aus, als die anderen, und es war nur ein ganz kleines Stück” aber mit großen Folgen - in diesem Fall noch ungefährlich für Leib und Leben. Wer Pilze wirklich kennt und zu unterscheiden weiß, dem bleibt solch eine schlechte Erfahrung erspart - erst recht gefährliche Vergiftungen durch Verwechslungen von Speisepilzen mit ihren giftigen Doppelgängern, die - und solche wachsen auch in unserer Region - von unangenehmem Magengrimmen, zu nötigen Transplantationen von Leber und Nieren oder gar qualvollem Siechtum und schließlich Tod reichen.

Oft sind es nur kleine Unterschiede in Form, Farbe, Struktur, Geruch des Pilzes, an denen man unterscheiden kann, ob es sich um einen essbaren, ungenießbaren oder giftigen Pilz handelt und gerade damit beschäftigen sich die Mitglieder des “Pilzvereins Augsburg Königsbrunn e.V.”. Wer Pilze sucht, bekam meist als Kind von den Eltern zwei oder drei vielleicht auch fünf Speisepilzarten gezeigt, den giftigen Fliegenpilz und vielleicht noch den Knollenblätterpilz. Doch wer sich nun mit Büchern im Wald auf die Suche macht, um noch mehr Arten kennen zu lernen, der merkt bald, dass es gar nicht so leicht ist, Pilze zu unterscheiden. Leichter fällt es, mit erfahrenen Pilzsammlern loszuziehen, sich so vor Ort zeigen zu lassen was essbar ist und was nicht. Solche Pilzkundige haben sich bereits 1955 in Augsburg organisiert, gründeten den “Verein für volkskundliche Pilzkunde“, der sich darum sorgt, die Kenntnisse über Speise- und Giftpilze zu verbreiten, Pilzvergiftungen zu vermeiden und die Freude an der Natur zu wecken.

Mittlerweile ist aus dem “volkstümlichen” Verein der “Pilzverein Augsburg Königsbrunn e. V.“ geworden der sich immer am zweiten Freitag im Monat im Königsbrunner Trachtenheim trifft, um aktuelle Pilzfunde zu begutachten und sich mit Vorträgen und Schulungen weiterzubilden. Doch der wahre Pilzfreund ist im Wald und auf der Wiese zuhause - das ganze Jahr über! Denn auch im Winter wachsen Pilze in unseren Wäldern und so beginnt das Pilzjahr des Vereins mit einer Pilzwanderung im Januar, der monatlich weitere folgen. Im Mai geht es dann in den Auwäldern auf Morchelwanderung, im August ist Sommerpause bis dann im September und Oktober die Hochzeit für die Speisepilze angebrochen ist und die Pilzfreunde meist viel Zeit in Wald und Flur mit ihrem Hobby verbringen. Dabei nimmt der Verein gerne Gäste zu den Wanderungen mit um ihnen die Feinheiten zu zeigen, dass solch ein Verwechslung von Gallenröhrling und Steinpilz nicht mehr passiert.

Doch sind die Vereinsmitglieder nicht nur an Speisepilzen interessiert, viele Mitglieder erfreuen sich immer mehr an den ungenießbaren, teils winzig kleinen Pilzen, die nahezu überall und auf jedem Untergrund zu finden sind. Viele Vereinsmitglieder sind sogar wissenschaftlich unterwegs, so beteiligt sich der Verein auch an der Kartierung der Pilzarten des Augsburger Stadtwalds und der näheren Region um Augsburg und im Naturschutz vor allem der Königsbrunner Heide. Da reicht ein Wissen um zehn oder zwanzig Pilzarten nicht aus. Allein bei der ersten Pilzausstellung des Verein im Botanischen Garten in Augsburg im Oktober 2004 konnten den Besucher mehr als 350 verschiedene Großpilze gezeigt werden - Großpilze im Vergleich zu den kleinen bis winzigen Pilzen, für deren Entdeckung und Betrachtung gar ein Mikroskop gebraucht wird. Für den Königsbrunner Herbst im vergangenen September schwärmten die Mitglieder aus und konnten in einem relativ schlechten, da zu trockenen Pilzjahr, immerhin mehr als 100 Arten sammeln und an ihrem Stand zeigen, erläutern und manch wissenswerte Geschichte über diese Organismen vermitteln.

Dass in diesem Verein auch wissenschaftlich gearbeitet wird, basiert auf dem 1988 verstorbenen Vereinsvorstand Johann Stangl, der sich viele Jahre vor allem mit einer Pilzgrupppe beschäftigte: den Risspilzen, wissenschaftlich INOCYBE genannt. Vertreter dieser Pilzgattung sind keine Seltenheit in unserer Region, doch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Gattung ist schwierig. Die Veröffentlichung seines Lebenswerks im Jahr 1989, seiner Aufzeichnungen über “Die Gattung INOCYBE in Bayern”, zu der XXX verschiedenen Pilzarten gehören, erlebte Stangl leider nicht mehr. Doch dieses heute auch in Wissenschaftskreisen hoch geschätzte Standardwerk spornt im Verein an zu forschen, ihre Lebensweise zu erforschen oder schürt bei manchem Mitglied gar die Hoffnung eine neue Pilzart zu finden.

Doch das sollte Neulinge nicht erschrecken, denn noch immer steht ganz vorne im Interesse der Pilzfreunde die Frage: Kann man diesen Pilz essen, oder ist er gar giftig? Diese Unterscheidung und die giftigen Doppelgänger der Speisepilze lernt man im Pilzverein ziemlich schnell in unkomplizierter Gesellschaft kennen und kann sich so mit gesichertem Wissen aufmachen, um das Abendessen zu suchen oder einfach die Schönheit der natur zu betrachten.

Wer am Wochenende unterwegs war und sich unsicher ist, um welchen Pilz es sich handelt, kann ab September jeden Montag von 16 bis 17.30 Uhr auf den Augsburger Stadtmarkt das kostenlose Angebot der ehrenamtlichen Pilzsachverständigen des Vereins in Anspruch nehmen. Hauptaugenmerk dieser durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Pilzkunde) geprüften Pilzsachverständigen liegt dabei auf der Vermeidung von Pilzvergiftungen. Sie sehen die Pilzfunde durch und werden auf giftige und ungenießbare Pilze aufmerksam machen und dann entsprechend den Fund zum Verzehr freigeben oder davon abraten. Denn nur wer die richtigen Pilze sammelt, der kann bei passender Zubereitung ein schmackhaftes Essen genießen - nahezu das ganze Jahr über. Derzeit sind im Pilzverein Augsburg Königsbrunn acht geprüfte Pilzsachverständige organisiert.

Lust auf Pilze bekommen? Der Pilzverein Augsburg Königsbrunn trifft sich immer am zweiten Freitag im Monat im Trachtenheim, Donauwörther Straße 46 in Königsbrunn. Wer sich nun den Verein genauer ansehen will, sich über ein sehr vielfältiges und in seiner Reichweite nahezu unerschöpfliches Hobby informieren will, der sollte sich bei Vereinsvorstand Günther Gross unter der Telefonnummer 08231/34 81 91 melden. I

Ausstelllungen und Vereinsjubiläum

Die nächste Pilzausstellung des Vereins ist beim Königsbrunner Herbst am 24. September.

Die Große Pilzausstellung zum 50-jährigen Bestehen des Vereins ist im Botanischen Garten Augsburg vom 7.-9. Oktober. Der Verein hofft wieder einen repräsentative Auswahl von gewöhnlichen, spektakulären und auch seltenen Pilzen unserer heimischen Region zeigen zu können. Im vergangenen Jahr präsentierte der Verein etwa 350 Arten von Frischpilzen aus der Region.

Stefan Gruber


Dieser Artikel erschien im Königsbrunner Stadtmagazin, Ausgabe 4/2005




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