Giftpilze - Pilzgifte


 
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10. Pantherina & Fliegenpilz - Syndrom

In der Fachliteratur werden diese beiden Syndrome teilweise getrennt abgehandelt; zwar sind die auslösenden Giftsubstanzen und die Symptome gleich, jedoch ist der Krankheitsverlauf mit all seinen Folgen nach dem Verzehr des dunkelbraun gefärbten Pantherpilzes schwerwiegender einzustufen. Wissenschaftlich heißt der Fliegenpilz Amanita muscaria, und steht Pate für, oder ist abgeleitet vom Pilzgift Muscarin, welches aber nur in ganz geringer, fast unbedeutender Menge im Fliegenpilz enthalten ist.

Die zu diesem Syndrom führenden Substanzen sind die Ibotensäure, Muscimol und Muscazon. Während in unserer Gegend der Verzehr des Fliegenpilzes, den schon jedes Kind aus Märchenbüchern kennt, auf Grund einer Verwechslung mit anderen Pilzen auszuschließen ist, kommt es in Südeuropa schon mal zu Fehlgriffen, wenn ihn sehr unerfahrene Personen  als den begehrten Speisepilz "Kaiserling" (Amanita caesarea) aufsammeln.

Wenn dennoch Vergiftungen durch den Fliegenpilz gar nicht so selten sind, so basieren diese meist auf der bewußten Einnahme desselben als halluzinogen wirkende Droge.

Besonders den in der Huthaut konzentrierten Stoffen kommen in den verschiedensten Anwendungspraktikenseit jeher, besonders im ostasiatischen Raum, als Stimulanzen bei Kulthandlungen, große Bedeutung zu.

In unserer Gesellschaft erlebt dieses Verlangen nach künstlich erzeugtem Glücksgefühl, wie so vieles ausgehend vom amerikanischen Kontinent, eine wahre Renaissance, wobei nebenvielen anderen Mitteln auch der Fliegenpilz wieder "zu Ehren" kommt.

Auch der Pantherpilz (Amanita pantherina) wird als Droge verwendet, um vorübergehend ins Land der Illusionen "abzufahren", allerdings sind, zumindest in unseren Breiten, durch seinen Verzehr ausgelöste Vergiftungen in den meisten Fällen auf Verwechslungen mit ähnlich aussehenden Speisepilzen zurückzuführen. So ist der Pantherpilz in der Tat nicht ganz leicht vom Grauen Wulstling (Amanita excelsa /-spissa) zu unterscheiden; letzterer wird in verschiedenenRegionen, besonders in den neuen Bundesländern, oft in großen Mengen gesammelt, da er selbst in der pilzarmen Zeit zu finden ist und stattliche Ausmaße erreichen kann.

Sehr unerfahrene oder leichtsinnige Küchenmykologen können auch einer Verwechslung beim Ernten und Zubereiten des geschätzten, roh giftigen, Perlpilzes (Amanita rubescens) zum Opfer fallen. Achtet man aber auf dessen stets irgendwo am Fruchkörper auftretende fleischrote Verfärbung, besonders an Fraß- und verletzten Stellen oder unter abgezogener Huthaut, und auf den oberseits deutlich gerieften Ring, jedoch die fehlende Riefung am Hutrand, so sollte diese Gefahr ausgeschlossen sein.

    

Pantherpilz  (junger Fruchtkörper)

Amanita pantherina

 

Pantherpilz 

Amanita pantherina

 

P I L Z E :

Fliegenpilz Amanita  muscaria
Königs- (Brauner-) Fliegenpilz Amanita  regalis
Pantherpilz Amanita  pantherina
Narzissengelber Wulstling Amanita  gemmata

P I L Z G I F T E :

Ibotensäure - Muscimol - Muscazon

Grauer Wulstling

Amanita spissa / -excelsa

 

Perlpilz

Amanita rubescens

L A T E N Z Z E I T :

1/4 - 2 (4) Stunden  

S Y M P T O M E : (Dauer  bis 10  Stunden)

  • Mattigkeit -> Muskelzuckungen -> psychische Störungen
  • Unruhe -> Schwindel -> Gehstörungen
  • Erregung -> Rauschzustand
  • HalluzinationenSchläfrigkeit -> Bewußtlosigkeit
  • (selten: Atemstillstand -> Herzversagen)
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