Geschichte der Heiden


 

Mit einem Naturführer der genau die Pflanzen und Tiere zeigt, die auch in den Gebieten vorkommen, krönt Hr. Dr. Fritz Hiemeyer mit seinem Buch „Die Königsbrunner und Kissinger Heide“ sein Lebenswerk. Es gibt wohl kaum einen Botaniker, der so intensiv in den letzten 40 Jahren dieses Heidegebiet erforscht hat, wie Hr. Dr. Hiemeyer. Gerade die Erhaltung und der Schutz dieses wohl einmaligen Biotops war nicht ganz einfach, wie verschiedene Gegebenheiten zeigen. Die Zusammenarbeit und das Verständnis für empfindliche Biotope war damals noch nicht so ausgeprägt, sonst wäre wohl nicht passiert, dass ein Teil der Königsbrunner Heide aufgeforstet und auch 2000 Fichten gepflanzt wurden. In einer, auch für die damalige Zeit, mutigen und einmaligen Aktion, waren die jungen Bäumchen „auf einmal alle wieder verschwunden“. Dieser „Frevel“ zog sogar eine Geldstrafe nach sich. Heute können wir über diese Art der Grundsteinlegung eines der bedeutensten Heidegebiet unserer Region etwas schmunzeln, über deren Erhalt dürfen wir uns aber erfreuen.

Auszug aus dem Buch "Königsbrunner und Kissinger Heide von Dr. Fritz Hiemeyer

1. Juwelen vor den Toren Augsburgs

2. Entstehung und Frühgeschichte

3. Ein Vergleich der beiden Heiden

4. Pflegemaßnahmen

5. Das heutige Zustandsbild

6. Schutz und Pflege

1. Juwelen vor den Toren Augsburgs

Es sind wahre Kleinodien, unsere Lechheiden, die uns vom Frühling bis Herbst mit ihrer Blütenpracht erfreuen. Sie stellen nur kleine Restflächen dar, die aus vergangenen Zeiten erhalten geblieben sind. Vor Jahrzehnten waren es noch weite Bereiche im Lechtal, die den Besucher erfreuten. Heute werden diese Reste ursprünglicher Naturlandschaft sorgsam gepflegt. Dabei hat fast jede der Hei-den ihr eigenes Gepräge. Räumliche Größe, mikroklimatische Einflüsse, Schichtung und Aufbau der Boden-unterlage sowie die Beziehung zum Grundwasser sind dafür verantwortlich. Zwei unserer schönsten Heiden sollen mit ihrer Vielfalt seltener Pflanzenarten herausgestellt wer-den, die Königsbrunner und die Kissinger Heide.

Wertvolle floristische Magerrasen mit ihren Auensäumen sind auch letzte Zufluchtsstätten für eine gefährdete Kleintierwelt. Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer und weitere vom Aussterben bedrohte Insekten sollen in Bild und Wort in einem weiteren Abschnitt dargestellt werden. Einem Kreis von Freunden heimatlicher Natur die Schönheit der Schöpfung zu zeigen ist der Grund, dieses kleine Bilderbuch herauszugeben. Immer wieder war es ein Erlebnis zu beobachten, mit welcher Freude manchmal ist es Andacht zu nennen - die Besucher unserer Heiden diesen Reichtum bewundern.

Da kommt es oft vor, dass in einem mitgeführten Pflanzenbuch geblättert und gesucht wird. Auf die Frage, ob man helfen könne, erfährt man, dass das gesuchte Objekt nicht aufzufinden ist. Zahl-reiche seltene Arten sind in den üblichen Werken nicht aufgeführt. Mit diesem Büchlein soll eine Lücke geschlossen werden. Farbbilder, mit denen versucht wird, Unterschiede z. B. nahe verwandter Arten darzustellen, werden hier hilfreich sein. So sollen Bilder von Heideflora und -fauna zum besseren Kennen lernen unserer nahen Heimat beitragen.

110 Seiten mit den wichtigsten Blumen und Tieren, ein Beststeller, der in seiner Erstausgabe nach kürzester Zeit vergriffen war. (Derzeit wieder erhältlich) Feierliche Übergabe des Buches "Königsbrunner und Kissinger Heide" vom Autor Hr. Dr. Hiemeyer an den Bürgermeister der Stadt Königsbrunn Herrn Ludwig Fröhlich.

 

2. Entstehung und Frühgeschichte

Beide Heiden verdanken ihre Entstehung dem Lech; die Königsbrunner Heide westlich, die Kissinger Heide östlich des Flusses. Wir müssen hier in der Erdgeschichte weit zurückgehen. Die Eiszeiten haben im Wechsel der Kälte- und Wärmeperioden im Laufe von zwei Millionen Jahren die Grundlage geschaffen. In diesem Zeitraum schoben sich die Gletscher der Alpen mehrmals nach Norden vor und verfrachteten riesige Mengen von Gesteinsmaterial mit sich. Die Schmelzwasser wuschen die Schot-termassen aus und brachten sie mit ins Alpenvorland. Dabei entstanden flache Gesteinswälle, die zum Teil wieder abgetragen wurden.

So führten die Schotter des Lechgletschers nach der letzten Eiszeit vor ca.12.000 Jahren zur Ausbildung des Lechfeldes zwischen Landsberg und Augsburg. Es hatte sich eine Schotterfläche gebildet, welche die wasserundurchlässige Flinzunterlage der vorangegangenen Tertiärzeit überdeckte. Der am Alpenrand mächtige Schotterbelag dünnte sich nach Norden allmählich aus. Heute beträgt er im Raum unserer Heiden noch wenige Meter. Bei beiden Heiden ist die Bodenunterlage so die gleiche. Kleine Unterschiede bestehen lediglich im Bodenprofil. Der Lech hat sich in seinem damals weiträumigen Bett langsam und stetig nach Osten verlagert. Heute ist die Königsbrunner Heide ca. 2 km vom Fluss entfernt. Früher floss er breiträumig mit zahlreichen Nebenarmen, Kiesinseln und Eintiefungen durch das Alpenvorland. Das hier entstandene unregelmäßige Bodenrelief hat die Jahrhunderte überdauert und ist auf der Königsbrunner Heide noch deutlich zu erkennen.

Im Bereich der Kissinger Heide ist dieser kleinräumige Wechsel des Bodenprofils weniger ausgeprägt. Ihr Areal lag vermutlich schon damals außerhalb der Hauptrinne des Flusses. Ein Vergleich mit der beider Isar gelegenen, aber nicht direkt vom Fluss betroffenen Garchinger Heide nördlich München liegt nahe. Beide Flächen zeigen fast ebenes Relief.

Graslilien, Rindsauge und Sumpfgladiolen dominieren die Blumenwiese Der Ährige Ehrenpreis ragt wie Speerspitzen in den Himmel

 

3. Ein Vergleich der beiden Heiden und ihre weitere Geschichte

Die Königsbrunner Heide liegt an der Südgrenze des Augsburger Stadtwaldes und ist vom Zentrum der Stadt ca. 2o km entfernt. 1975 wurde sie im Rahmen der Gebietsreform Augsburg einverleibt. Bis in die letzten Jahrhunderte war ihre Umgebung weitgehend natürliche Flusslandschaft, geprägt durch Auenwald, der zum Teil forstwirtschaftlich genutzt wurde. Menschliche Siedlungen in unmittelbarer Umgebung waren schon durch die ständig anhaltende Hochwassergefahr nicht möglich. Die südlich anschließende weite Schotterfläche erstreckte sich als Lechfeld fast baum- und strauchlos bis in die Gegend von Landsberg. Den Viehherden der westlich des Lechfeldes gelegenen Orte zwi-schen Bobingen und Schwabmünchen bot sich hier karges Weideland.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde der Lech in diesem Bereich durch Dammbauten in sein jetziges Bett gezwungen. Das Lechfeld kam zunehmend unter den Pflug, so dass heute nur noch kleine Reste ursprünglicher Naturlandschaft wie die Königsbrunner Heide von dem floristischen wie faunistischen Artenreichtum früherer Zeiten zeugen. Der Name Königsbrunner Heide ist erst 1959 durch Andreas Bresinsky in die wissenschaftliche Literatur eingegangen. Dies ist auffällig, da die Augsburger Floristen der Jahrhundertwende und späterer Jahre über die Pflanzenwelt sowie die wertvollen Biotope des Gebietes gut Bescheid wussten. Es war wohl so, dass damals große naturnahe Bereiche genügend vorhanden waren und man keinen Grund sah, kleinräumige Flächen abzugrenzen.

In den ersten Jahren der Nachkriegszeit lagen am Lech, aber auch anderswo, naturschützerische Belange völlig danieder. Im April 1940 wurde der Bereich des Stadtwaldes einschließlich der Königsbrunner Heide als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Nur unter den außerordentlichen Verhältnissen der unmittelbaren Nachkriegszeit konnte es so möglich sein, dass durch eine ausgedehnte Auf-forstung mit Nadelhölzern die Heide zweigeteilt wurde. Dies 5 Jahre nach Ausweisung als Natur-schutzgebiet! Damals wurde zudem im Osten der Fläche ein Streifen von ca. 80 x 30 m umgepflügt und einige Jahre als Kartoffelacker benutzt. 1964 sind am Westrand der Zentralheide 2000 Fichtenpflänzchen gesetzt worden. Sie konnten später beseitigt werden. 1980 kam in den Verbindungsstreifen zwischen Zentralheide und Hasenheide ein Wildacker zur Anlage. Der Verursacher wurde zwar zur Rechenschaft gezogen; die Kleinfläche hat sich aber nur langsam von diesem Eingriff erholt.

Die Kissinger Heide liegt ca. 8 km nordöstlich der Königsbrunner Heide; auch in ihrer Nähe bestanden wegen ständiger Hochwassergefahr keine menschlichen Siedlungen. Wohl immer befand sich die Fläche außerhalb der Hauptflussrinne des Lechs. Die alte Verbindungsstraße an Kissing vorbei zwischen Augsburg und München erstreckte sich wenige hundert Meter entfernt östlich davon. 184o wurde nahe der Heide die Bahnlinie Augsburg-München gebaut. Direkt an der Bahnstrecke finden sich zwei kleine tiefer liegende, während der Bauarbeiten entstandene Flächen. Sie konnten nicht bewirtschaftet werden und haben so eine wertvolle Pflanzenwelt bewahrt . Wie die nahe gelegene Heide stehen die Areale unter Naturschutz. Auf der Kissinger Heide bestand bis vor ca. 150 Jahren Waldweide. Auf offenen Stellen wurde bis zum Jahre 1920 herbstliche Streumahd durchgeführt. Teilbereiche sind in diesem Zeitraum aufgeforstet worden. Ähnlich wie die Königsbrunner Heide ist sie am 6.6.1941 unter Naturschutz gestellt worden. 1964 wurde der Schutz erneut bestätigt. Dr. H. Ziegenspeck, ein hervorragender Augsburger Botaniker, hatte schon vor dem letzten Krieg die Voraussetzungen dafür geschaffen. Die neueste Geschichte zeigte wie bei der Königsbrunner Heide tiefgreifende Einschnitte. So wurde bald nach der Inschutznahme der nördliche Teilabschnitt in einer Größe von ca. 1 Hektar zum Kiesabbau freigegeben. Es handelte sich hier um eine wertvolle Orchideenfläche. Erst 1961 ist der Abbau eingestellt worden. Mehrere landwirt-schaftliche Eingriffe sind noch in den ersten Nachkriegsjahren auch hier erfolgt.

 

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