4. Pflegemaßnahmen


 
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Für beide Heiden kamen erst später in Gang. Das Bewusstsein, letzte Reste heimatlicher Naturlandschaft zu erhalten, setzte sich erst allmählich durch. Auf der Königsbrunner Heide erfolgten 1966 durch ehrenamtliche Helfer des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben und Mitglieder der Augsburger Sektion des Alpenvereins erste Mäharbeiten; weiter wurden kleine Kiefern und Fichten entfernt.

Im Jahr 1980 begann die systematische Pflege durch das verantwortliche Amt der Stadt Augsburg, heute Amt für Grünordnung und Naturschutz: Regelmäßige Mahd, die später in abgegrenzten Teil-bereichen durchgeführt wurde, und Beseitigung des nachwachsenden Buschwerkes. Eine erfolgversprechende Auslichtung der nach dem Krieg illegal gepflanzten Nadelholzflächen ist leider in den späteren Jahren zum Stillstand gekommen. 1984 wurde mit der Aushagerung eines Teiles der Hasenheide begonnen. Die südlich der Heide vorgelagerten Wiesen wurden nicht mehr gedüngt und stellen eine Pufferzone dar, die sich zu einer Magerrasenfläche entwickeln soll.

Die selektive Pflegemahd gehört zum Erhalt des heutigen Zustandes Die Auslichtung zwischen Zentral- und Hasenheide trägt ebenfalls zum Erhalt der Heiden bei.

Ähnlich waren die Verhältnisse bei der Kissinger Heide. Auch hier wird seit 1980 zunächst durch ehrenamtliche Naturschützer gepflegt, d.h. jährlich gemäht und später das Mähgut auf nahe ge-legene Neuflächen ausgebreitet. Diese sind als Ausgleichsflächen von der Bahn zur Verfügung gestellt worden, haben sich in wenigen Jahren gut entwickelt und weisen z. T. überraschende Neuvorkommen bemerkenswerter Heidepflanzen auf. Bei der Pflege haben sich die Gruppe Kissing Mering vom Bund Naturschutz, der Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg und die dortige Naturschutzbehörde große Verdienste erworben.

Hauptblütezeit in der Zentralheide Die Sumpfgladiole - Größtes Vorkommen in Mitteleuropa

 

5. Das heutige Zustandsbild der beiden Heiden

Der räumliche Umgriff der Königsbrunner Heide wird ungenau definiert. Die Fläche liegt am Südende des großen Naturschutzgebietes Augsburger Stadtwald, das eine Fläche von über 1600 Hektar umfasst. Der Begriff Königsbrunner Heide wird heute verstanden als ein Areal von ungefähr 50 ha; dazu gehören die beiden wichtigsten und wertvollsten Kernzonen, die Zentralheide und die durch das Nadelgehölz getrennte westlich davon liegende Hasenheide, im ganzen ca. 10 ha; weitere Randgebiete der umliegenden lichten Kiefernheidewälder, besonders im Bereich des Ölbachs, sowie Teilbereiche von umgebenden Fettwiesen. Der am Ostrand verlaufende ehemalige Kartoffelacker hat sich durch konsequente Pflege im Laufe der letzten 20 Jahre günstig entwickelt; die frühere Heideflora ist weitgehend wieder vorhanden. Der wertvollste Teil der Hasenheide ist durch Schafüberweidung stark gefährdet.

Die Kissinger Heide ist seit ihrer Unterschutzstellung 1941 ein klar umrissener räumlicher Begriff geblieben. Mit 37 ha hat sie eine in die Zukunft weisende Größe und gehört zum Gemeindegebiet Kissing im Landkreis Aichach-Friedberg. Die Wunden der vergangenen Jahrzehnte sind größtenteils verheilt. Die Kiesabbaufläche im Norden hat eine Ersatzvegetation entwickelt. Durch den damaligen Abbau liegt sie über i m tiefer als das umliegende Areal. Bei länger anhaltenden Niederschlägen steht sie einige Zeit unter Wasser. So haben sich feuchtigkeitsliebende Arten wie Seggen sowie eine kleine Population der Schneide (Cladium mariscus) angesiedelt, die zu der dortigen Vegetation nicht passen.

Die Heide bedarf durch ihre unterschiedliche Gliederung zwischen offenen Heideflächen, wechselnd mit Nadelgehölz und Buschvegetation, einer entsprechender Pflege und Wartung.Seltene, vor-nehmlich gefährdete und geschützte Pflanzenarten der Königsbrunner und Kissinger Heide. Eine Besonderheit unserer Lechheiden besteht darin, dass sie Pflanzensippen beherbergen, die in ver-schiedenen Zonen beheimatet sind.

Dealpine Arten (dealp.)

Sie haben ihre Hauptverbreitung in unseren Alpen und sind zum großen Teil aus den Bergen durch den Lech ins Alpenvorland gekommen. In vergangenen Zeiten führte der Fluss besonders bei den häufigen Hochwassern Samen und Pflanzenteile mit sich, die sich z. B. auf den Kiesinseln und Sandbänken, aber auch auf überschwemmten Uferstreifen angesiedelt haben. Eine dieser Pionierpflanzen ist das Kriechende Gipskraut, das auf der Königsbrunner Heide seinen nördlichsten Wuchsort erreicht.

Andere Pflanzen sind dem Flusstal in entgegengesetzter Richtung von Nord nach Süd, von der Alb zu den Alpen gefolgt. Hier ist die Gewöhnliche Kugelblume zu nennen.

Kontinentale Arten (kont.)

Aus östlicher Richtung, vor allem den dortigen Steppengebieten, kamen trockenheitsliebende kontinentale Arten in die Schottergebiete des Voralpenlandes und fühlten sich auf unseren Lechheiden wohl. Hier ist z. B. der Regensburger Geißklee,die Kalkaster und die Goldaster zu nennen.

Submediterrane Arten (smed.)

Aus südlichen Gefilden, vor allem aus dem Mittelmeerraum haben wärmeliebende Orchideen auf den Heiden des Lechs ihre Heimstatt gefunden. 18 Orchideenarten zählen wir auf unseren beiden Heiden, darunter 4 seltene Ragwurzsippen.

Die bemerkenswerten Pflanzen sind in Farbbildern festgehalten, und zwar im Turnus ihrer Blütezeit. In einer seitlichen Farbleiste werden diese Blütezeiten zusätzlich dargestellt. Ein kurzer Begleittext führt auch die zuständigen Familien auf, sowie die Zonen, aus denen die Pflanzen stammen.

Sämtliche hier vorgestellten Arten wachsen auf beiden Heiden; wenige der Bilder wurden auf anderen Lechflächen aufgenommen. Einzelne Sippen sind nicht auf beiden Arealen zu finden. So kommt z. B. der Kamm Wachtelweizen nicht auf der Königsbrunner Heide vor, die Sumpfgladiole dagegen wächst nicht auf der Kissinger Heide.

Herbststimmung in der Zentralheide Strukturverhältnisse der Königsbrunner Heide mit Hasenheide

 

6. Schutz und Pflege der Heiden

Zum Schluss einige Gedanken zur Erhaltung einer ursprünglichen Naturlandschaft. Die Geschichte der beschriebenen Lechheiden im Laufe der 60 Jahre nach ihrer Inschutznahme war turbulent. Heute, nach 20 Jahren regelmäßiger und kontrollierter Pflege, befinden wir uns noch in einer Modellphase.

Gerade bei kleineren sensiblen Flächen, wie sie die Kernzone der Königsbrunner Heide darstellt, muss jährlich erneut geplant werden, welcher Bereich z. B. wann gepflegt wird. Hier muss auch der Schutz der Kleintierwelt bedacht werden.

Die Nähe menschlicher Besiedelung macht notwendig, dass der Besucherstrom in kontrollierte Bahnen gelenkt wird. Hier lässt sich die Sperrung bestimmter Wege nicht vermeiden. Hunde gehören an die Leine. Fahrräder sollten an vorgesehenen Plätzen sicher abgestellt werden. Ein Mensch, der sein Rad mitschiebt, verbreitert die Trittfläche. Kleinräumige Biotope können langfristig nicht über-leben. Hier ist die Zentralfläche der Königsbrunner Heide betroffen. Der begonnene Abbau der gepflanzten Nadelholzfläche muss fortgeführt werden; nur dadurch wird die Zersplitterung der Kernzone vermieden.

Vorrangig sollen Pufferzonen entstehen. Dies ist in den letzten Jahren dank der Initiative der örtlichen Naturschutzbehörde geschehen. Südlich der Königsbrunner Heide wird eine Fläche von mehreren Hektar ausgehagert; es wird nicht mehr gedüngt und extensive Bewirtschaftung betrieben. Die Wanderschäferei muss geregelt werden. Wertvolle Biotope dürfen nicht einer zerstörenden Überweidung zum Opfer fallen.

Vor allem aber ist es notwendig, nicht nur Naturfreunden, sondern auch allgemein unseren Mitbürgern nahe zu bringen, welche Juwelen in unserer nahen Heimat liegen, die es zu hegen und zu pflegen gilt.

Vor 40 Jahren hat Bresinsky geschrieben: »Wald und Heide vor den Toren Augsburgs: Zerfall berühmter Naturschutzgebiete?« Seine Frage kann so beantwortet werden: Manche Bereiche wertvoller Flächen sind geblieben und wurden dem Zerfall entzogen. Heute geht an uns, besonders die jüngere Generation, die Frage: Kann nach weiteren Jahrzehnten eine positive Antwort gegeben werden?

Hier sind wir alle gefordert.

 

 

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