2. Die Königsbrunner Haide - bedeutendster Rest der Flußschotterhaiden südlich von Augsburg


 
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Flußschotterhaiden wie die Königsbrunner Haide sind Kalkmagerrasen aus Xero- Bromion-, Mesobromion-, Molinion- und Caricion-Elementen, die sich außerhalb der rezenten Auendynamik in Folge der Auensukzession und durch Beweidung oder Mahd auf Schotterablagerungen entwickelt haben. Sie sind als Folge- und Kontaktgesellschaften zur Auenvegetation zu verstehen.Im Nordalpenraum treten Flußschotterhaiden vor allem an Lech und Isar auf. Ihre ehemals größte Ausdehnung erreichten die Flußschotterhaiden am Unterlauf von Lech und Isar, da hier große Aufschüttungskegel der Gletscher liegen. Dadurch neigten hier die Flüsse vor der Einflußnahme des Menschen besonders stark zur Verzweigung. Auf nicht mehr überschwemmten Schotterbänken entwickelten sich artenreiche Rasengesellschaften, deren Sukzession zum Wald durch Beweidung und Mahd verhindert wurde. Flußfernere Vorkommen sind durch Rodung aus verschiedenen Kiefernwaldgesellschaften und wärmeliebenden Eichenwaldgesel-lschaften hervorgegangen (BRESINSKY 199).

Die Haiden im Unteren Lechtal (Lechfeldhaiden) sind mit den Haiden an der Isar auf Grund ihrer Artenvielfalt bereits seit SENDTNER (1854) „als die bedeutendste Erscheinung von Haideland in Südbayern" bekannt. Heute sind ihre bekanntesten Vertreter - die Königsbrunner Haide auf Flußschotter und die Garchinger Haide auf Niederterrassenschotter - nur noch verschwindende Reste der ehemals großen Haidelandschaften am Unterlauf von Lech und Isar.

Wie stark der Flächenrückgang der Lechfeldhaiden in den letzten 150 Jahren ist, zeigt Abbildung 2 (näheres vgl. MÜLLER 1990b). Die Königsbrunner Haide ist heute nur ein winziger Restbestand der im letzten Jahrhundert noch zusammenhängenden Haiden im Süden von Augsburg. Die stärkste Flächenzerstörung durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung muß um die 50er Jahren erfolgt sein. Be-trachtet man alte Fotos von der Königsbrunner Haide von 1937 (H. Fischer in BRESINSKY 1962), so muß sich damals nach Süden ein riesiges Haidegebiet angeschlossen haben. Hingegen ist in der von BRESINSKY (1965) publizierten ersten Vegetationskarte über den Haunstetter Wald bereits deutlich der heutige Umriß der Königsbrunner Haide erkennbar. Heute ist ein Haiderest von ca. 100 qm, der 200 m südöstlich der Königsbrunner Haide inmitten landwirtschaftlicher Flächen liegt, Zeugnis der ehemals zusammenhängenden Haidevegetation.

Auf Grund ihrer Artenvielfalt wurde die Königsbrunner Haide zusammen mit dem im Norden an-schließenden Haunstetter Wald bereits im Jahre 1940 mit einem Umgriff von 210 ha als Naturschutz-gebiet ausgewiesen (LÜTTGE 1967). Mit der novellierten Verordnung von 1994 wurden die alten Schutzgebiete „Haunstetter Wald" und „Siebentischwald" zum Naturschutzgebiet „Stadtwald Augs-burg" zusammengefaßt. Heute versteht man unter dem Begriff „Königsbrunner Haide" eine ca. 70 ha große Kernzone am Südrand des Naturschutzgebietes. Diese Kernzone umfaßt Haideflächen sowie Kiefernwälder, Forste und Fettwiesen (vgl. Abb. 3). Die wertvollsten Bereiche „Hasenhaide" und „Zentralhaide" (insgesamt ca. 25 ha) - der „locus classicus" der Königsbrunner Haide - sind mit Umgriff in einer Vegetationskarte genauer dargestellt (vgl. Abb. 4). Im Norden und Osten geht die Kernzone „Königsbrunner Haide" in Pfeifengras-Kiefernwälder des Naturschutzgebietes über. Im Süden und Westen ist die Grenze der Kernzone zugleich Schutzgebietsgrenze und es schließen sich landwirtschaftliche Flächen an.

Ausdehnung der Lechhaiden südlich von Augsburg, früher und heute mit Lage der Königsbrunner Haide (aus Müller 1990b) Übersichtsplan Kernzone Königsbrunner Haide (Naturschutzgebiet Stadtwald Augsburg) mit Ortsbezeichnungen und Ausschnitt der Vegetationskarte

 

 

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