3. Vegetation der Königsbrunner Haide


 
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Die Haideflächen der Königsbrunner Haide lassen sich in trockene und wechselfeuchte Gesell-schaften untergliedern. Die im folgenden dargestellten Pflanzengesellschaften entsprechen der Legende in der Vegetationskarte (Abb. 4). Vermerkt ist hier auch die Lage der Vegetations-aufnahmen (Aufnahmezeit 1987-1989), die bereits in MÜLLER (1991) publiziert wurden (genaue Zuordnung der Aufnahmeflächen im Archiv des Autors).

Aus dokumentarischen Gründen ist auch die Lage der Geobotanischen Dauerflächen (mit Jahr der Einrichtung) aufgenommen, die im Rahmen der Renaturierung von aufgedüngten und aufge-forsteten Haideflächen angelegt wurden (vgl. MÜLLER & al. 1998). Eine synthetische Tabelle der Pflanzengesellschaften aller Lechhaiden (von Reutte bis Rain) sind in MÜLLER & al. (1998) veröffentlicht. Bereits in früheren Arbeiten (MÜLLER 1991, MÜLLER & al. 1998), wurde auf die floristischen Unterschiede der präalpinen Mesobromion-Gesellschaften gegenüber den übrigen Kalkmagerrasen in Mitteleuropa hingewiesen. In den Alpen und deren Vorland wird Brachypodium pinnatum durch Brachypodium rupestre ersetzt. Diesem Unterschied wurde durch die Bildung einer Brachypodium rupestre-Rasse Rechnung getragen. In der Vegetationskarte sind unterschieden:

1. Steinzwenken-Halbtrockenrasen (Mesobrometum Br.-Bl. ap. Scher. 25 Brachypodium rupestre- Rasse, typische Subassoziation)

Der Steinzwenken-Halbtrockenrasen ist in seiner typischen Subassoziation durch die präalpine Steinzwenke (Brachypodium rupestre) und dem deutlichen Vorherrschen der Mesobromion-Arten charakterisiert. Er wächst auf Lechschottern mit fortgeschrittener Bodenentwicklung und/oder höherem Sandanteil, wo die Nährstoffversorgung für die Pflanzen günstiger ist. Im Untersu-chungsgebiet sind es vor allem die ehemals aufgedüngten Erdseggenrasen auf der Hasenhaide und der Bereich des ehemaligen Kartoffelackers in der Zentralfläche, die zu diesem Typ gestellt wurden. Beide Bereiche wurden seit 1984 durch Aushagerungsschnitte renaturiert (vgl. MÜLLER & al. 1998). Teilweise sind Fettwiesenvertreter (F) wie Triseturn flavescens noch Zeugen des ehemaligen Eingriffs.

Sommerwurz Felsenkreuzdorn

2. Erdseggen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum Br.-Bl. ap. Scher. 25 Brachypodium rupestre-Rasse, Subassoziation von Carez humilis)

Der Erdseggen-Halbtrockenrasen ist die vorherrschende Pflanzengesellschaft der Königsbrunner Haide, die in ihrer typischen Ausbildung auf der Hasenhaide zu finden ist. Charakteristische Arten sind Asperula cynanchica, Leontodon incanus und Teucriurn montanum. Bemerkenswerte Arten auf der Hasenhaide sind außerdem Biscutella laevigata subsp. kerneri, Avena pratensis, Hieracium macranthum, Chamaecytisus ratisbonensis, Thesium linophyllum, Orobanche gracilis, Sca-biosa canescens, Crepis alpestris, Seseli annuum und Gypsophila repens. Auf der Zentralhaide herrscht die Ausbildung mit Gladiolus palustris vor. Sie ist die auffälligste Erscheinung der Haide. Ihren Blühhöhepunkt hat sie Anfang Juli, wenn Tausende von Sumpfgladiolen mit dem zarten Weiß der Ästigen Graslilie (Anthrericum ramosum) das Bild prägen. Besondere Arten sind hier unter anderem Inula hirta, Aster amellus und A. linosyris, Laserpitium siler, Coronilla vaginalis und Rhamnus saxatilis.

3. Glatthafenwiesen (Dauco-Arrenatheretum Görs 66)

Fettwiesen finden sich im westlichen Bereich der Haide und gehen auf eine intensive landwirtschaftliche Nutzung zurück, die 1984 eingestellt wurde. Nachdem heute die Aushagerung abgeschlossen ist, treten offene Stellen auf, die zunehmend wieder von Trockenrasenarten besiedelt werden.

4. Knollendistel-Pfeifengras-Wiese (Cirsio tuberosi-Molinietum arundinaceae Oberd. etPhil. ap. Oberd. 67)

Diese farbenprächtige Gesellschaft wechselfeuchter Standorte wächst in alten Flutrinnen, die heute durch die Grundwasserabsenkung trockener sind. Charak-teristische und differenzierende Arten sind vor allem Cirsium tuberosum, Tetragonolobus maritimus, Molinia arundinacea und Phyteuma orbiculare. In feuchteren Bereichen (z. B. am Nordrand der Hasenhaide am sog. (Quell-topf) treten Equisetum variegatum, Schoenus nigricans, S. ferrugineus, Serratula tinctoria und Salix repens auf. Mit höchster Stetigkeit in allen Haidegesellschaften kommt hier Linum viscosum vor. Gladiolus palustris hat hier einen weiteren Häufigkeitsschwerpunkt. Hier tritt auch Carex sempervirens auf, das im trockneren Alpenvorland seine nördlichste Ausstrahlung in der Königsbrunner Haide hat.

Dargestellt sind in der Karte auch Ruderalgesellschaften, die von Störzeigern (z. B. Agropyron repens, Urtica dioica) und Fettwiesenarten (z. B. Dactylis glomerata, Achillea millefolium) be-herrscht werden. Sie finden sich vor allem zwischen Hasenhaide und Zentralhaide und haben sich nach der Rodung von Kiefern Forsten und einem Umbruch von Halbtrockenrasen im Jahr 1990 (Wildacker) eingestellt.

Neben den natürlichen Pfeifengras-Kiefernwäldern im Norden und Osten des Gebietes beherrschen heute im Zentrum verschiedene Forste (z. T. mit Pinus nigra) das Bild der Haide. Entsprechend ihrer Vorgeschichte bei der Erst-aufpflanzung - direkt in die Haide oder Umbruch der Haide und dann Aufforstung - ist heute die Krautschicht mehr von Arten der Trockenrasen oder Ruderalfluren beherrscht (in Abb. 4 besonders gekennzeichnet). Des weiteren sind noch bemerkenswerte und solitäre Gehölze (z. B. Rhamnus saxatilis, Salix repens) sowie Geländestrukturen in der Karte dargestellt.

Bestandskarte Vegetation der Königsbrunner Haide (Kartierung 1990)
mit Lage der Aufnahmeflächen und Geobotanischen Dauerflächen

 

 

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