Max Britzelmayr (1839 - 1909)


 

Ein namhafter bayerischer Mykologe der Zeit um 1900 war der Augsburger Kreisschulinspektor Max Britzelmayr, geb. 7.1.1839 als Lehrerssohn in Augsburg und dortselbst gestorben am 6.12.1909 im Alter von 70 Jahren.

Er ergriff den Beruf des Vaters, besuchte auch zwei Jahre lang das Gymnasium und eignete sich so einige Kenntnisse der lateinischen Sprache an. Wegen seiner Tätigkeit als Lehrer wurde Britzelmayr schon mit 34 Jahren (1873) zum Kreisschulinspektor ernannt; 1899 trat er in den Ruhestand, ausgezeichnet mit dem Verdienstorden vom Heiligen Michael. Er war ferner Ehrenmitglied der bayer.Botanischen Gesellschaft in München und des Naturwissenschaftlichen Vereins von Schwaben in Augsburg.

Britzelmayr war vielseitig veranlagt, Naturforscher, guter Zeichner, Musiker, auch Maler und Dichter. Mit seinem Berufe als Lehrer nahm er es sehr ernst; ein Freund von mir, der mit ihm beruflich zusammenkam, erzählt mir, daß der Kreisschulrat wegen seiner Genauigkeit und Strenge bei den Prüfungen und Visitationen in den Lehrerkreisen nicht besonders beliebt war.

Was die botanische Tätigkeit Britzelmayrs betrifft, so erhielt er (nach L. Gerstlauer) die erste Anregung dazu von dem kenntnisreichen Benediktinerpater Rauch in St. Stephan in Augsburg. Wie bei jedem Pilzforscher ging die Phanerogamenkunde voraus; hierin hat Britzelmayr kaum etwas veröffentlicht. Sein Interesse erregten dann die Flechten, über die er verschiedene Arbeiten in Druck brachte. Mit den Pilzen beschäftigte er sich von den 7oer Jahren an; er begann die Behandlung der "Hymenomyceten aus Südbayern", die seine Lebensarbeit darstellt, mit einer Darstellung von seinen Augsburger Pilzfunden im 25. Bericht des dortigen Vereins 1879.

Wie er in der Einleitung erklärt, wurde er durch den südösterreichischen Pilzkenner Schulzer von Müggenburg (Vinkovce) in diesem schwierigen Studium sehr gefördert; als erstes Hilfsbuch diente ihm für die Bestimmung der Pilze das Büchlein vonWünsche, die "Pilze", das jetzt freilich überholt ist.

Es erschienen in der Folge fast jedes Jahr weitere Abhandlungen; Hyporhodii und Leucospori (26. Bericht 1880), Dermini und Melanospori (1882); verschiedene Hymenomyceten (1885 u. 1887, 1891 u. 1894); dann hauptsächlich im botanischen Centralblatt; Cortinarius (1892); die "Materialien zur Beschreibung der Hymenomyceten", 3 Teile (1896 bis 1897), endlich die "Revisionen, der Diagnosen", 5 Teile (1898 191o). Die Zahl der Tafeln, die den einzelnen Lieferungen beigegeben wurden, beläuft sich auf 761 Stück. Die Zeichnungen sind meist skizzenhaft; sie sind auch farbig gedruckt worden. Der Charakter der Pilze ist vielfach gut getroffen und jeder Art ist die Sporenform beigegeben. Fr.v.Höhnel hat zu dem Werke einen Index verfaßt (erschien im 37. Bericht des Augsburger Vereins 1906); diese Abhandlung (fast 180 Seiten stark), ist sehr wertvoll, zumal sie auch die Sporenmaße anderer Autoren vorführt.

Es werden von Britzelmayr etwa 2000 Arten behandelt, die grössere Zahl derselben ist von ihm sicherlich richtig erkannt worden, wie ich in meinem jetzt zum Abschluß kommenden Werke gezeigt habe. Was die Neuaufstellungen betrifft, so haben namhafte Forscher wie Bresadola, dessen Zeitgenosse Britzelmayr war, Zweifel geäußert und sie vielfach nicht anerkannt. Ihre Zahl ist ja auch sehr hoch (fast 600 Arten); wenn auch Saccardo in seiner Sylloge die Mehrzahl aufführt, so sind sie deswegen noch nicht gesichert. Da Britzelmayr keine Exsikkaten fertigte, ist eine Nachprüfung nicht mehr möglich. Für einige seiner Arten konnte ich jedoch Belege in der Natur der Voralpenlandschaft finden.

Von Wert sind gewiß die Fundortangaben; wir erfahren bei Britzelmayr zum erstenmal mehr über die Pilzvorkommnisse im Gebirge. Er fuhr in der Pilzzeit fast jeden Sonntag in die Allgäuer Alpen, brachte die Pilze im Rucksack oder in einem Korbe nach Hause, um sie mit flinker Hand zu zeichnen und zu mikroskopieren.

Das ganze Werk zusammengebunden etwa 600 Seiten stark und mit den vielen Tafeln ausgestattet, stellt eine große Leistung dar; es ist das erste Werk, das alle höheren Pilzgruppen Thelephoraceen mit den Corticieen, Clavariaceen, Hydnaceen mit den resupinaten Formen (Odontia), Tremellaceen, Polyporaceen und die Hunderte von Agaricaceen gleichmäßig berücksichtigt und fast alle Friesschen Arten zur Darstellung bringt. Die anderen großen Abbildungswerke jener Zeit, Fries Icones selectae, die Bresadolas und Boudiers, ferner Gillet und Cooke, auch unser Ricken, beschränken sich mehr auf bestimmte Gruppen oder bieten nur eine Auswahl. Südbavern hat durch Britzelmayr eine ähnliche Durchforschung erfahren, wie Schlesien durch Schroeter, der sein Zeitgenosse war.

Britzelmayr hat, wie der zu gleicher Zeit arbeitende Dr. Rehm (in einem Briefe an L. Gerstlauer) erklärte, "seine Tüchtigkeit als Erforscher der schwäbischen und Allgäuer Flechten und Pilze in unermüdlicher Ausdauer und in wissenschaftlicher Bearbeitung seiner Funde ausgezeichnet erwiesen, und die pflanzengeographische Durchforschung dieser Gegenden in bezeichneter Richtung wird ihm bleibenden Ruhm erhalten."

Verfasst von Prof. Dr. Seb. Killermann,1939.

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