Giftpilze - Pilzgifte


 
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11. Muscarin - Syndrom

Wie schon beim Fliegenpilz-Syndrom erwähnt, stammt zwar der Name für diesen Giftstoff vom Fliegenpilz (Amanita muscaria), ist in diesem aber nur in kleiner Menge enthalten. Muscarin verursacht Fehlsteuerungen und Blockaden im vegetativen Nervensystem und stellt ein sehr ernst zu nehmendes Gift dar, welches, nicht rechtzeitig behandelt (Atropin!), zum Tode führen kann. Die meisten Vergiftungsfälle werden in der Literatur aufgrund von Verwechslungen des in der pilzarmen Frühjahrszeit gesuchten Mairitterlings (Calocybe gambosa) mit dem ebenfalls recht früh vorkommenden Ziegelroten Rißpilz (Inocybe patouillardii /-erubescens) geschildert.

Dieser Giftpilz kann für einen Rißpilz sehr stattliche Größe erreichen, ist wie der Mairitterling weißlich bis cremefarben und nimmt die partielle Rotverfärbung erst nach Verletzung oder im Alter an. Er wächst auch im Mai und Juni vor allem unter Gebüsch und Laubbäumen und somit oft in großen Gruppen in Parkanlagen oder Laubwaldrändern. Seine Lamellen sind nur jung weißlich und sein Geruch ist dann noch nicht unangenehm, etwas fruchtig bis schwach spermatisch, der Maipilz dagegen riecht deutlich nach Mehl.



Ziegelroter Rißpilz

Inocybe patouillardii / -erubescens



Mai-Ritterling / Georgs-Ritterling

Calocybe gambosa

Ebenfalls hohen Muscarin-Gehalt haben viele weiße Trichterlinge (Clitocybe spec.), die am ehesten mit dem Mehlräsling (Clitopilus prunulus), dem Nelken- / Feld-Schwindling (Marasmius oreades) oder dem Weißen Rasling (Lyophyllum connatum), der auch aus anderen, bereits genannten Gründen als Speisepilz zu meiden ist, verwechselt werden könnten. Die weißen Trichterlinge und auch die Rißpilze sind äußerst schwierig, normalerweise nur unter Zuhilfenahme eines Mikroskopes zu bestimmen; nicht zuletzt aus diesem Grund sollte auf das Einsammeln dieser Arten generell verzichtet werden, es sei denn, zu reinen Studienzwecken.

Schließlich sei noch auf einen muscarinhaltigen Pilz aufmerksam gemacht, den Rettich-Helmling (Mycena pura /-rosea/-pelianthina), der sehr häufig in unseren Wäldern wächst, wegen seiner relativ zierlichen Gestalt und seines Geruches nach Rettich aber kaum als Speisepilz in Betracht kommt.

Verwechslungen könnte ich mir höchstens mit dem eßbaren Amethystfarbenen Lacktrichterling (Laccaria amethystina) vorstellen, den manche Leute seiner interessanten Farbe wegen zu Pilzsülzen oder Pilzsalaten verwenden. 

Weißer Gift-Trichterling / Feld-Trichterling

Clitocybe rivulosa / -dealbata

Mehlräsling

Clitopilus prunulus

 


 
Rosa Rettich-Helmling

Mycena rosea



Amethystfarbener / Violetter Lacktrichterling

Laccaria amethystina

 


P I L Z E :

Ziegelroter Rißpilz Inocybe patouillardii / -erubescens
Kegeliger Rißpilz
*alle anderen Rißpilze (ca. 180 Arten)  
Inocybe fastigiata / -rimosa
Inocybe  spec. . .
Rinnigbereifter- / Feld-Trichterling Clitocybe dealbata / -rivulosa
Bleiweißer Firnis-/ -Laubfreund-Trichterling Clitocybe phyllophila
Wachsstieliger Trichterling
* alle weißen Trichterlinge                                         
Clitocybe candicans
Clitocybe - Sektion: Candicantes
Rettich-Helmling Mycena  pura / -rosea / -pelianthina

 

P I L Z G I F T E :

Muscarin 

L A T E N Z Z E I T :

Minuten - 2  Stunden   

S Y M P T O M E : (kann ohne Behandlung nach einigen Stunden tödlich enden)          

  • Speichelfluß -> Tränenfluß  
  • Starke Schweißausbrüche -> Bauchkoliken -> Brechdurchfall
  • Pupillenverengung -> Sehstörungen
  • Blutdruckabfall -> Langsamer Puls
  • Asthmaähnliche Atemnot  
  • Lungenödem -> Herzversagen
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