Frühjahrswanderung vom 12.4.2008: Wehringen


 

 

Führung:  Andreas Kunze
Teilnehmer:  9
Wetter:  tags zuvor wechselnd sonnig und bewölkt mit starken Regenschauern, bis 18 Grad Celsius; am Exkursionstag dagegen trocken und sonnig bei Temperaturen um die 12 Grad Celsius
Exkursionsgebiet:  D - BY - Reg.-Bez. Oberbayern - LK Augsburg - Wehringen - westliches Wertachufer südlich der Brücke Höhe über NN: ca. 520 m
Messtischblatt: 7730/2.3.4
Standort:  Feldahorn (Acer campestre ), Eberesche (Sorbus aucuparia), Gemeine Fichte (Picea abies), Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior), Hängebirke (Betula pendula), Hybrid-Schwarzpappel (Populus x canadensis), Rotbuche (Fagus sylvatica), Stieleiche (Quercus robur), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Seidelbast (Daphne mezereum), Weißdorn (Crataegus laevigata)

 

Bericht:

Vom Parkplatz direkt am Westufer der Wertach zogen die Pilzfreunde los gen Süden, um den auwaldähnlichen Uferbereich zu erkunden. Noch vor der Unterquerung der Brücke wies Andreas Kunze auf den Polsterförmigen Feuerschwamm (Fomitiporia punctata) hin und erläuterte kurz, dass die deutsche Bezeichnung „Feuerschwamm“ daher rührte, dass die Fruchtkörper des Porlings in früheren Tagen abends ins Feuer gelegt wurden, um die Glut bis zum nächsten Tag zu halten. Derweil entdeckte ein Exkursionsteilnehmer die gallertigen Frk. des Warzigen Drüslings (Exidia plana). Einige Schritte weiter fiel der Blick auf die Großsporige Datronie (Datronia mollis), die flach einen Ast überzog und nur am Rand etwas vom Untergrund abstand. Augenfällig waren bernsteinfarbene Gutationströpfchen, die zur Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes dienen. Andreas Kunze wies auf den feinen Duft nach Aprikosenmarmelade hin – zumindest eine süßliche Note konnten die umstehenden Pilzfreunde dem Exkursionsleiter bescheinigen. Es folgte der Hinweis, dass das Wahrnehmen und Deuten von Gerüchen eines Trainings bedarf. Am selben Ast befand sich noch der Ablösende Rindenpilz (Cylindrobasidion laeve), ein häufiger Vertreter in Uferbereichen.

Dann folgte ein Jubelschrei: Die erste und leider auch einzige Morchel war gefunden: Es war eine Käppchenmorchel (Morchella gigas ), wie im Längsschnitt deutlich wurde. Dann brachte Slavenka Wittmann einen am Boden liegenden Eschenast zur Gruppe: Darauf war ein flächiger Frk. mit dornigen Auswüchsen und heller Randzone zu sehen – der Fund konnte im Nachhinein durch Dr. Christoph Hahn als Dornige Wachskruste (Eichleriella deglubens) bestimmt werden. Ferner besiedelte der Eichenzystidenrindenpilz (Peniophora quercina) das Substrat: Die Art besitzt im Gegensatz zum Eschenzystidenrindenpilz (P. limitata) keine dunkle Randzone und weist ein violetten Farbton auf, während der ähnliche Verwandte in der Färbung meist einen höheren Blauanteil aufweist. Als nächstes wurden die Fotografen in der Gruppe auf eine hübsche Ansammlung Anemonenbecherlinge (Dumontinia tuberosa) aufmerksam gemacht.

Nach dem Fotoshooting ging es weiter zu einem Stück Erlenbruch. Dort bot sich ein schauriges Bild: Stämme lagen kreuz und quer, teils ragten noch abgebrochene Reste nach oben. Die Ursache für das Erlensterben ist die Erlenwurzelhalsfäule (Phytophtora alni). Traditionell bei den Pilzen beheimatet, stammen die Arten der Gattung jedoch von Algen ab. Sie produzieren aktiv schwimmende Sporen, welche die Wurzeln der Bäume über das Grundwasser infizieren. Äußerliche Symptome befallener Erlen sind schwarze, nässende Flecken im Stammbereich. Das Gewebe wird dadurch derart beschädigt, dass die Krone nicht mehr genügend mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden kann. Der Baum stirbt. Lediglich die Folgezersetzer unter den echten Pilzen, wie z.B. der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) und der Kohlige Kugelpilz (Daldinia concentrica s.l.) freuen sich über das große Substratangebot. An einer noch stehenden Baumleiche fruktifizierte der hübsch anzusehende Violette Knorpelschichtpilz (Condrostereum purpureum).

Dann zweigte der Weg nach rechts auf ein Feuchtwiesengebiet ab. An einem Fichtenstumpf wuchs der Fenchelporling (Gloeophyllum odoratum), der Geruch nach Fenchel (Name!) war deutlich ausgeprägt. Auf den Wiesen rings um majestätische Fichten streckte eine Schar Fichtenzapfenhelmlinge (Mycena strobilicola) ihre Hüte in die Höhe. Sie wachsen aus vergrabenen Fichtenzapfen und riechen stechend nitrös. Nach dem Abstecher machte die Gruppe kehrt Richtung Parkplatz. Auf dem Rückweg machte Uli Schmidt von den Münchner Pilzfreunden schließlich den Fund des Tages: Unmittelbar am Ufer fruktifizierte der Gemeine Kelchbecherling (Sarcoscypha austrica) – an dieser Stelle vielen Dank an Andreas Staber für die mikroskopische Absicherung. Gut gelaunt ob der tollen Funde verabschiedeten sich die Teilnehmer am Parkplatz ins restliche Wochenende.

Andreas Kunze

Bilder:

desc desc
Bild 1: Datronia mollis

Bild 2:Dumontinia tuberosa
desc desc
Bild 3: Eichleriella deglubens Bild 4: Morchella gigas

desc desc
Bild 5: Mycena strobilicola Bild 6: Mycena strobilicola

desc desc
Bild 7: Sarcoscypha austrica Bild 8: Steccherinum fimbriatum

desc desc
Bild 9: Was steht hier? Bild 10: Typhula phacorrhiza slerotien
 

 

Bookmark and Share