Naturforscherlehrpfad


 

Am 15. Dezember war es soweit, der Naturforscherpfad im südlichen Stadtwald konnte der Presse vorgestellt werden. Herr Norbert Pantel, der Gebietsbetreuer des Beweidungsprojektes ist Initiator dieses "Lehrpfades". In Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Pfeuffer, der in seinem Buch, "Von der Natur fasziniert" schon einen Teil der namhaften Forscher beschrieben hat; und mit unserem Verein, entstanden die dazugehörenden Texte.

So werden Jakob Friedrich Caflisch, Hermann Ziegenspeck, Jacob Hübner, Franz Ganghofer, Johann Friedrich Leu, Johann Stangl, Christian Friedrich Freyer, Gottlieb Tobias Wilhelm und Heinz Fischer auf diesen Tafeln beschrieben.

Am Parkplatz beim Wasserhausweg steht die erste Tafel mit einer Übersichtskarte, die alle Standorte der einzelnen Tafeln zeigt.
Der Lageplan als PDF

Die Tafel mit unserem Herrn Stangl steht beim Lochbach in Höhe des Wasserfalles, wenn man vom Wasserhausweg flußabwärts geht.
Ein Spaziergang, der die Königsbrunner Heide und die Gehege der Rothirsche und der Wildpferde streift, lohnt sich für alle Naturliebhaber.

Bilder:

Bild 1: Das ist die Gesamttafel, die am Lochbach steht Bild 2: Hier ist ein kurzer Lebenslauf vermerkt
Bild 3: Dieser Rißpilz (Inocybe fribrisoides) ist zugleich Wappenpilz unseres Vereines Bild 4: Herr Pantel, der Initiator des Forscherpfades erklärt der Presse die Entstehung der einzelnen Stationen

 


Bild 5: Auch der Umweltreferent Herr Schaal, Familie Pfeuffer und Herr Nicolas Liebig waren beim Pressetermin mit dabei

 

Weitere Einzelheiten zu den Augsburger Naturforschern

Jakob Friedrich Caflisch (1817 – 1882):  Global denken – lokal handeln
„Wer verweilt nicht gerne bei einem Bilde, das uns mit der Großartigkeit südamerikanischer Urwälder (…) bekannt macht! (…) Gerade entgegengesetzt verhält es sich mit der Pflanzenwelt unserer nächsten Umgebung. (…) Mancher Städter kennt nicht einmal die Getreidearten, von deren Gedeihen das Wohl und der Reichtum ganzer Nationen abhängen.“
Jakob Friedrich Caflisch verkörpert in typischer Weise den Bürger des 19. Jahrhunderts, der sich durch Begabung und Fleiß zum anerkannten Wissenschaftler entwickelte.
Wie viele seiner Zeitgenossen war auch Caflisch fasziniert von naturkundlichen Reiseberichten aus fernen Ländern. Gleichzeitig beklagte er das Desinteresse seiner Mitmenschen gegenüber der heimischen Natur.
Es ist der Arbeit Caflischs zu verdanken, dass in Augsburg das Interesse an der heimischen Pflanzenwelt geweckt wurde. Caflisch war Gründungsmitglied des Naturhistorischen Vereins in Augsburg und bis zu seinem Tode Leiter der botanischen Sammlung des Augsburger Naturwissenschaftlichen Museums. Der Großteil unseres heutigen Wissens über die ursprüngliche Artenvielfalt der Lechheiden gründet sich auf seine Arbeiten.

Hermann Ziegenspeck (1891 – 1959): Apotheker mit Liebe zum Detail
„Wohl selten findet man in der Nähe einer Großstadt ein so leicht erreichbares Beobachtungsgebiet für biologische Dinge wie den Naturschutzkomplex  des Siebentisch-Haunstetterwaldes.“
Hermann Ziegenspeck studierte Pharmazie, Naturwissenschaften und Nahrungsmittelchemie. Anschließend war er Dozent am Botanischen Institut der Universität Königsberg, bevor er in Augsburg eine Apotheke eröffnete.
In seiner Freizeit war Hermann Ziegenspeck ein leidenschaftlicher Forscher. Große Verdienste erwarb er sich zum Beispiel durch die Weiterentwicklung der Mikroskopie. Mit den vom ihm entwickelten Mikroskopie-Methoden war es möglich, einen Zusammenhang zwischen dem Aufbau der Zellen und den Eigenschaften der Pflanze herzustellen.
Besondere Faszination übten auf ihn die heimischen Orchideen aus. Es faszinierte ihn, wie Orchideen neu entstandene Offenflächen besiedeln können. Er erkannte, dass Orchideen-Samen im Fell oder Gefieder von Tieren verbreitet werden.

Jacob Hübner (1761 – 1826):  Aus armen Verhältnissen zu Weltruhm
„Seit mehreren Jahren machte ich mir in meinen Erholungsstunden ein Geschäfte daraus,
die Geschichte der Schmetterlinge (…) zu erforschen. Die Entdeckungen (…) veranlassten in mir das (…) Vergnügen, mit der Natur dieser Tierchen bekannt zu werden und (…) zu versuchen,
ob ich in diesem Fache einigen Nutzen leisten könnte.“
Jacob Hübner entstammt einer einfachen Augsburger Bürgerfamilie. Er trug entscheidend zu den Grundlagen der Schmetterlingskunde bei und gehörte am Ende seines Lebens zu den weltweit bedeutendsten Schmetterlingsforschern.
Konzentrierten sich Hübners erste Veröffentlichungen noch auf die europäischen Schmetterlinge, so weitete er sein Arbeitsfeld später auch auf exotische Arten aus. Hübners Gesamtwerk ist einzigartig: Auf 1.952 großformatigen Kupfertafeln bildete er in über 10.000 Einzeldarstellungen insgesamt 3.598 Schmetterlingsarten ab.
Über 1.500 Arten wurden von ihm erstmalig benannt, beschrieben und abgebildet. Hübner begründete ein System der Schmetterlings-Klassifizierung, das so konsequent durchdacht war, das es in seinen Grundzügen immer noch Gültigkeit besitzt. Der Nachlass von Jacob Hübner befindet sich heute im Besitz der Londoner königlichen Gesellschaft für Insektenkunde.
  
Franz Ganghofer (1832 - 1908): Enge Bande zum heimischen Wald
„Der Wald ist nicht nur Inbegriff von Natur, er ist auch Erzeugnis der Kultur, der Menschen, die ihn durch ihre Bewirtschaftung prägten, pflegten und pflanzten.“
Hansjörg Küster (Professor für Pflanzenökologie, Hannover)
Franz Ganghofer war von 1866 bis 1903 als Leiter der Stadtforstverwaltung Augsburg für den Stadtwald verantwortlich. Die enge Beziehung Ganghofers zu unserem heimischen Wald wurde ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater war Leiter des königlichen Forstamtes in Ottobeuren und sein Bruder brachte es sogar zum Leiter der Bayerischen Forstverwaltung.
Die Geschichte Augsburgs war immer eng mit ihrem Waldbesitz verknüpft. Heute ist die Stadt Augsburg der größte kommunale Waldbesitzer Bayerns.
Ganghofer beginnt ab etwa 1880 systematisch mit der Aufzucht und dem Handel exotischer Pflanzen für die damals in Mode kommenden exotischen Parks. In Diedorf legte er den bis heute bestehenden „Exotenwald“ an. Was vor 120 Jahren als forstliches Experiment gedacht war, hat sich zu einem wertvollen Baum-Areal entwickelt.

Johann Friedrich Leu (1808 – 1882): Vergessenes Genie
„Es ist mir nicht bekannt, dass sich jemand damit befasst hätte, über die in Augsburgs Umgebung vorkommenden Vögel Notizen zu sammeln. (…) So ließ ich es mir seit einigen Jahren angelegen sein, ein genaues Verzeichnis über alles mir Vorgekommene zu führen.“
Johann Friedrich Leu besaß ein Pelzwarengeschäft in der Augsburger Maximilianstraße. Neben seiner Arbeit schuf Leu ein in der Geschichte Augsburgs unvergleichliches naturkundliches Werk aus Tausenden von Tierpräparaten, Bildern und Zeichnungen sowie 102 handgeschriebene Bände, darunter eine Enzyklopädie der Wirbeltiere Bayerns und die erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme der heimischen Vogelwelt.
Leu schlug aus seinem Talent keinen wirtschaftlichen Profit. Stattdessen engagierte er sich als ehrenamtlich für das Naturwissenschaftliche Museum.
Leus Berichte über die Vogelwelt des Regierungsbezirks Schwaben und Neuburg sind heute von unschätzbarem wissenschaftlichem Wert, denn sie ermöglichen Rückschlüsse auf die Entwicklung der Vogelbestände in den letzten 150 Jahren.
Leider haben nur drei von Leus Präparaten, denen Alfred Brehm („Brehms Tierleben“) eine unerreichte Qualität bescheinigte, den Zweiten Weltkrieg überstanden.

Johann Stangl (1923 - 1988): Faszination Pilze     
„Der Fürwitz dieser alten Erde lacht in den Pilzen uns hervor.“
Georg Maurer (Lyriker, 1907 - 1971)
Johann Stangl wurde 1923 in Augsburg geboren. Stangl war im Jahr 1955 Gründungsmitglied des "Vereins für volkstümliche Pilzkunde Augsburg" (heute: „Pilzverein Augsburg – Königsbrunn“). Sein leidenschaftliches Interesse und sein autodidaktisch erlangtes Fachwissen über Pilze machten ihn zu einem international anerkannten Fachmann.
Über vierzig Publikationen in verschiedenen Fachzeitschriften sind das Ergebnis seiner wissenschaftlichen Arbeit. Eines der wichtigsten Werke Johann Stangls war die 1985 herausgegebene „Pilzflora von Augsburg und Umgebung“, in der 1692 heimische Pilzarten erfasst sind. Auch ein großer Teil der Pilzpräparate im Münchner Staatsherbarium stammen von Stangl. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit engagierte er sich in der Pilzberatung für die Bürger Augsburgs. Stangls große Forscherleidenschaft galt der Gattung der Risspilze, in der er einige Arten erstmals wissenschaftlich beschrieb.

Christian Friedrich Freyer: (1794 – 1885): Augsburgs Schmetterlinge
„Ich opfere diesem Unternehmen jede Minute, die mir meine häufigen Berufsgeschäfte übrig lassen (…)
und (…) nur allein die Liebe für die naturhistorische Wissenschaft trieb mich an, dieses
Unternehmen auf eigene Kosten zu beginnen.“
Christian Friedrich Freyer erstellte in seiner Freizeit die erste umfassende Arbeit über die Schmetterlinge Augsburgs. Für 102 Tag- und 989 Nachtfalterarten vermerkte er Fundort, Häufigkeit und Futterpflanzen der Raupen.  
Für Freyer war es wichtig, dass seine Werke auch für die Allgemeinheit erschwinglich waren. Deswegen erstellte er alle farbigen Kupferstiche selbst.
Freyer war einer der bedeutendsten Schmetterlingskundler seiner Zeit und seine Arbeiten werden bis heute in der wissenschaftlichen Fachliteratur zitiert. Freyer erkannte die Ursachen von Massenvermehrungen bei Schmetterlingen. Viele seiner Beschreibungen bilden die Grundlage zum Verständnis der Ökologie der Schmetterlinge.

Gottlieb Tobias Wilhelm (1758 – 1811): Der Wert der Vielfalt
„So erlaubt sich doch die Hoffnung, vielleicht hie und da ein vernünftiges Anschauen der Natur und etwas mehr Schonung so mancher unschuldiger Geschöpfe (…) bewirkt zu haben.“
Das Lebenswerk von Gottlieb Tobias Wilhelm ist beeinflusst von der Naturtheologie. In ihr ist die Natur ein geordnetes System, entstanden als Schöpfungsakt Gottes zum Nutzen des Menschen.
Zwar sah Wilhelm den Menschen als Krone der Schöpfung. Gleichzeitig äußerte er sich kritisch über die zerstörerischen Auswüchse menschlichen Handelns.
Ungewöhnlich für die damalige Zeit war, dass Wilhelm eindringlich für den Schutz unscheinbarer Geschöpfe eintrat. In Wilhelms Naturverständnis überwiegt für den Menschen der Nutzen aller Tier- und Pflanzenarten den Schaden, den sie anrichten können.
Wilhelms 29-bändiges Werk über die Tier- und Pflanzenwelt der Erde war weit über Augsburg hinaus bekannt. Es wurde sogar als Schulbuch verwendet und ins Französische übersetzt. Wilhelm veröffentlichte außerdem die weltweit erste erschwingliche Beschreibung der Amphibien.

Heinz Fischer (1911 –  1991): Dokumentation des Wandels
„Während Jahr für Jahr die Ergebnisse unseres Forschens reifen, verschwindet Jahr für Jahr mehr vom Gegenstand unserer Arbeit (…) und (…) der Bericht wird zum Nachruf.“
Heinz Fischer verbrachte seine Kindheit in Augsburg, wo er in der Auenlandschaft zwischen Stadt und Lech seine ersten Begegnungen mit der heimischen Natur hatte.
Fischer ahnte, dass die Menschen ihrer Landschaft und damit auch der Tier- und Pflanzenwelt unumkehrbare Veränderungen aufzwangen. Um diese Verluste für die Nachwelt zu dokumentieren, versuchte er so viel wie möglich zu beobachten, zu sammeln und zu konservieren.
Fischer erwanderte mehrfach den Lech von der Quelle bis zur Mündung, um die Wildflusslandschaft in zahlreichen Fotos festzuhalten. So entstanden unschätzbare Dokumente einer im wahrsten Sinne des Wortes verflossenen Zeit.
Im Vordergrund stand jedoch die Erforschung der Tierwelt unserer Heimat. Dabei interessierten ihn besonders Insektengruppen wie Mücken, Fliegen, Libellen, Wanzen oder Heuschrecken.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war es, Biographien berühmter schwäbischer Naturforscher aufzuzeichnen.
Sein wissenschaftliches Lebenswerk und seinen gesamten Nachlass vermachte Heinz Fischer der Stadt Königsbrunn. Ausgewählte Teile seiner Sammlung sind heute im Fischer-Museum in Königsbrunn ausgestellt.

 

gez.
Norbert Pantel
Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V.
Tel.: 0821-6502236, Mobil: 0176-20794726

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