Bestandssituation der Königsbrunner Haide


 

Müller, N. 2000: "Wald und Heide vor den Toren Augsburgs" - zur Bestandssituation der Königsbrunner Haide Bericht aus der HOPPEA 61 (Bresinsky-Festschrift) 623-642

1. Einführung

2. Die Königsbrunner Haide - bedeutendster Rest der Flußschotterhaiden südlich von Augsburg

3. Vegetation der Königsbrunner Haide

4. Farn- und Blütenpflanzen

5. Naturschutzmaßnahmen der letzten 20 Jahre und Empfehlungen für die Zukunft

6. Literatur

Professor Dr. Norbert Müller 1976 Diplom an der Techn.Universität München
1979 - 1998 Wissens. Mitarbeiter im Amt f. Grünordnung (Stadt Augsburg) Abt. Landschaftsökologie & Naturschutz
1994-1996 Leiter des Naturwissens. Vereines für Schwaben e.V.
seit 1998 Professor für Landschaftspflege und Biotopentwicklung an der Fachhochschule Erfurt
Weitere Forschungen im Lechtal und Beobachtungen der Dauerflächen in Augsburg

http://www.fh-erfurt.de/lgf/la/lehrende/mueller/

Herr Professor Dr. Norbert Müller bei einer Führung im Jahre 2004 anlässlich der Feier - 2000 Jahre Königsbrunner Heide -  
 

1. Einführung

„Wald und Heide vor den Toren Augsburgs - Zerfall berühmter Naturschutzgebiete?" unter diesem Titel erschien im Jahre 1962 von A. BRESINSKY ein richtungsweisender Artikel für den Naturschutz. Zum ersten Mal wird die Bedeutung des weitläufigsten Auengebietes des Lech - des heutigen Naturschutzgebietes Stadtwald Augsburg - umfassend dargestellt und ein aktueller Bestandsbericht zur Natur gegeben. Deutlich wird dabei, daß dieses Schutzgebiet einer fortlaufenden Entwertung unterliegt und dringend Maßnahmen notwendig sind, um diesem Verfall Einhalt zu gebieten.

Was war passiert? Es wurden doch bereits 1926 Teile des Gebietes durch ortspolizeiliche Vorschrift zum Banngebiet erklärt und 1940 bzw. 1942 schließlich die gesamten Lechauen südlich von Augsburg bis Königsbrunn als eines der ersten Naturschutzgebiete in Bayern ausgewiesen. Damit sollte diese voralpine Flußlandschaft auf Grund der Vielfalt und Repräsentativität ihrer Lebensräume langfristig gesichert werden. Der Eingriff, der für den bereits 1962 beklagten Verfall verantwortlich war, erfolgte allerdings bereits vor dem Zeitpunkt der Unterschutzstellung 1926. Im Jahre 1920 war die verhängnisvollste Maßnahme für das Schutzgebiet - die Flußkorrektion des Lech - bereits abgeschlossen. Sie hatte zur Folge, daß die von der Flußdynamik abhängigen Lebensräume wie offene Kiesbänke, Altwasser und Feuchtwälder sich rasch zu reiferen Auengesellschaften entwickelten und Jahr für Jahr der Rückgang und Verlust charakteristischer Pflanzen und Tiere zu verzeichnen war. Hinzu kam, daß auch die flußferneren Lebensräume, die Kiefernwälder und Haiden, durch natürliche Sukzession und verstärkte land- und forstwirtschaftliche Nutzung entwertet wurden.

Die Problematik der statischen Betrachtung und des konservierenden Schutzes von Ökosystemen hatte BRESINSKY schon damals erkannt und aufgezeigt. Der fachliche Hintergrund dafür waren umfangreiche pflanzengeographische und vegetationskundliche Untersuchungen im Lechtal (BRESINSKY 1959), die wesentliche Impulse für das heutige Verständnis der Auenvegetation alpiner Flüsse gaben. Zum ersten Mal wurde das Naturschutzgebiet Stadtwald Augsburg monographisch bearbeitet und der Name „Königsbrunner Heide" in der wissenschaftlichen Literatur ein-geführt. 1965 folgte dann aufbauend auf die vorangegangenen Arbeiten ein weiteres Werk („Zur Kenntnis des circumalpinen Florenelements ...") (BRESINSK Y 1965), das u. a, erstmals die arealkundliche Sonderstellung des Lechtales unter den nordalpinen Flüssen herausstellte. Diese beiden Werke zählen zugleich zu den Pionierarbeiten moderner geobotanischer Forschung in Bayern und sind bis heute von hoher Aktualität. Dieser Festband ist darum ein willkommener Anlaß, mit einem aktuellen Situationsbericht über die Königsbrunner Haide im Naturschutzgebiet Stadtwald Augsburg die richtungsweisende Arbeit BRESINSKYs in der Geobotanik und im Naturschutz zu würdigen.

Königsbrunner Heide nach der Hauptblüte Herbststimmung in der Königsbrunner Heide

Seit 1962 hat sich viel im Naturschutz getan. Ein eigenes Naturschutzgesetz und zwischenzeitlich mit Fachpersonal auf allen Ebenen ausgestattete Naturschutzbehörden haben Naturschutz zum „Alltag" werden lassen und in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt. Auch das Gebiet der Lechauen und insbesondere die Königsbrunner Haide, als die bedeutendste Haidewiese der gesamten Lechauen, standen immer wieder im Blickfeld der traditionellen botanischen Forschung und des Naturschutzes. Das belegen zahlreiche Publikationen (z. B. LÜTTGE 1967, HIEMEYER 1967, 1996, QUINGER & al. 1994, vgl. Bibliographie bis 1990 in MÜLLER & al. 1991), Nachdem der Verfasser annähernd 20 Jahre (1979-1998) für die fachliche Pflege und Entwicklung des Naturschutzgebietes Stadtwald Augsburg verantwortlich war, soll mit diesem Beitrag die Dokumentationsreihe fortgesetzt werden und erstmals eine Vege-tationskarte und eine Florenliste vorgestellt werden. Des weiteren wird über Bemühungen zur Haideregeneration in den letzten 15 Jahren berichtet und Empfehlungen für die zukünftige Naturschutzarbeit gegeben. Die Kartierungsarbeiten für diesen Beitrag wurden im Rahmen der Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans „Stadtwald Augsburg" (MÜLLER & WALDERT 1996) in den Jahren 1990 bis 1992 durchgeführt.

 

 

 

 

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